Bundesadler und Schriftzug: Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa Collage aus Bildern des Bundesinstituts, einer historischen Karte, der Jahrhunderthalle in Breslau/Wrocław, der Immanuel-Kant-Statue in Königsberg/Kaliningrad und den Schriftzügen der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und des Bundesinstituts
 Polnisch | English | Home | Drucken | Seite empfehlen | Kontakt | Sitemap | Impressum
Finden: (Volltextsuche)
BKGE » Weizackertracht » Weizacker-Trachtenvereine » Tanz- und Späldeel Leba

Tanz- und Späldeel Leba, Erlangen e. V.


Die Gründer der Tanz- und Späldeel Leba, Karl und Hildegard Haenel, sind Leitfiguren der pommerschen Trachtenszene. Zum einen haben sie durch zahlreiche Auftritte mit ihrer Gruppe im Ausland pommersche Trachten der internationalen Öffentlichkeit bekannt gemacht und zum anderen haben sie durch ihre Publikation "Volkstrachten aus Pommern" und durch die Nähkurse, die Frau Haenel angeleitet hat, als wichtige Multiplikatoren in der pommerschen Trachtenpflege gewirkt. Für ihren Stellenwert innerhalb der Vertriebenengemeinschaft scheint jedoch auch die Qualität ihrer Tanzdarbietungen von Bedeutung zu sein. "Das sind die besten", sagt Waltraud Zielke über die Aufführungen der Tanz- und Späldeel.

Hildegard und Karl Haenel, die 1937 geheiratet haben, sind beide in Greifenberg geboren. Am 9. November 1957 gründen sie die Pommernjugend Erlangen. Im Zuge dessen entstehen die nach pommerschen Flüssen benannten Tanzdeelen Rega, Ihna und Leba. Hildegard Haenel leitet viele Jahre lang die Gruppe Leba. Ein Mitglied erinnert sich in einem Artikel zum 100. Geburtstag von Karl Haenel an ihre Worte: "Schürze und Bluse gewaschen, Tuch und Bänder gebügelt. Rockkante 15 Zentimeter vom Boden, nur so wird man uns loben." Unschätzbare Verdienste um die pommerschen Trachten hätte sie sich erworben, heißt es in der Würdigung. (30)

Die Mitglieder der Tanz- und Späldeel Leba treten grundsätzlich in Trachten auf. Außer der Weizackertracht kleiden sie sich in die Belbucker, die Jamunder und die Mönchguter Fischertracht. (31) Die erneuerten Versionen dieser Trachten, in denen sie auftreten, sind in der Publikation "Pommersche Volkstrachten" ausführlich vorgestellt. Als wichtige Grundlage für die Neuschöpfung der Weizackertracht dienten die Beschreibungen von Robert Holsten. Die Herkunft des Stickmusters, das die Weizackertrachten der Erlanger Gruppe ziert, erläutert Hildegard Haenel anlässlich eines Stick-Seminars, das sie 1995 gemeinsam mit Jutta Becker anbot. Es stammt aus dem Nachlass des Studienrates Klinger aus Stargard. Dieser fuhr vor dem Zweiten Weltkrieg mit dem Rad in die Dörfer des Weizackers, um Dias von Trachten anzufertigen. Bei einer Familie Falkenberg fotografierte er eine von fünf damals noch in der Familie erhaltenen Trachten. Seine Frau gab diese Dias nach dem Krieg an Olga Falkenberg in Hannover, die sie 1966 der Familie Haenel überließ. Seitdem tragen alle Trachten der Erlanger Gruppen dieses Muster und auch die "Modelltracht" im Pommernzentrum Travemünde ist mit diesem Muster versehen. (32)

Ein Höhepunkt in der Geschichte der Tanz- und Späldeel ist 1974 die Teilnahme an einer Feier zum 200-Jährigen Jubiläum Amerikas in Freistadt, Wisconsin, einer Stadt, die 1839 von pommerschen Migranten gegründet worden war. Die "State historical society" of Wisconsin hatte Interesse an einer Ausstellung gezeigt, die Karl Haenel aus Modellen von pommerschen Dorfgebäuden, Trachten und Gemälden zusammen gestellt hatte, weil in dem damals sich in Planung befindenden Freilichtmuseum "Old World Wisconsin" einige Häuser pommerscher Einwanderer ausgestellt werden sollten. So lädt die Gesellschaft die Pommernjugend Erlangen zur Eröffnungsfeier des Museum ein. Diese Begegnung inspiriert einige Freistädter dazu, selber eine Tanzdeel zu gründen, die Hildegard und Karl Haenel nach Erlanger Muster aufbauen. (33)

Die Pommersche Tanzdeel Freistadt tritt allerdings nicht in Weizackertracht, sondern in der Mönchguter Fischertracht und der Belbucker Tracht auf. Für die Mönchguter Tracht hat sich die Gruppe entschieden, da sie ihr farbenfroh und einzigartig erschien, und da die meisten Siedler in Freistadt aus der Gegend um Belbuck kamen, wollten sie gerne in der Belbucker Tracht auftreten. Die Gruppe hat das Ziel, ein genaues und historisch fundiertes Bild der Pommerschen Volkstänze und Trachten zu zeigen. Durch das Tragen der Trachten möchten sie den Zuschauern zeigen, "what it was to be Pomeranian many years ago." (34) Auf der sehr informativen und in Bezug auf Trachten differenzierten Homepage "Wisconsin Folks", die sich an Kinder richtet, wird die Tanzdeel Freistadt ausführlich vorgestellt. (35)


Zurück zum Text


Zum Inhaltsverzeichnis



Copyright © 2004 by Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) and the author, all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and BKGE.
For other permission, please contact bkge@uni-oldenburg.de

URL zur Zitation dieses Beitrages: https://www.bkge.de/weizackertracht/9245.html

Stand: 05.07.2005
Weizackertracht Logo
Logo des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa